Kirchberg ist das Plateau nordöstlich der Altstadt, verbunden durch die Großherzogin-Charlotte-Brücke — allgemein die Rote Brücke. Bis in die 1960er Jahre war hier Ackerland. Heute stehen dort die in Luxemburg ansässigen EU-Institutionen, der Finanzsektor und die wichtigsten Kulturbauten des Landes.
Die Institutionen
Luxemburg ist neben Brüssel und Straßburg einer der drei offiziellen Sitze der Europäischen Union und beherbergt den Gerichtshof der Europäischen Union, die Europäische Investitionsbank, den Rechnungshof, Eurostat und Teile der Kommissionsverwaltung.
Der Gerichtshof mit seinen goldenen Türmen ist am sichtbarsten. Öffentliche Verhandlungen kann man kostenlos besuchen, was kaum ein Besucher weiß — der Kalender steht online, und eine Stunde dort ist wirklich interessant.
Mudam und Philharmonie
Das Mudam, Musée d'Art Moderne Grand-Duc Jean, stammt von Ieoh Ming Pei — dem Architekten der Louvre-Pyramide — und steht auf den Resten von Fort Thüngen, einer Befestigung des 18. Jahrhunderts. Glas und Kalkstein erheben sich aus der alten Bastion, und der Bau ist oft interessanter als sein Inhalt, auch wenn das Programm stark ist.
Daneben ist die Philharmonie von Christian de Portzamparc eine weiße Ellipse aus 823 schlanken Stahlsäulen, akustisch einer der besten Säle Europas und Heimat des Luxemburger Philharmonischen Orchesters.
Das Musée Dräi Eechelen im Fort Thüngen selbst behandelt Festung und Landesgeschichte — die beste Einführung dazu, wie aus einer Festungsstadt ein unabhängiger Staat wurde.
Die Architektur
Kirchberg ist faktisch eine Freiluftsammlung zeitgenössischer europäischer Architektur, mit Bauten von Pei, Portzamparc, Ricardo Bofill und Gottfried Böhm an einer einzigen Avenue. Die Meinungen dazu gehen weit auseinander; es ist unbestreitbar ein Ort für Institutionen und nicht für Menschen, auch wenn neuere Projekte Wohnraum und öffentlichen Raum ergänzt haben.
Praktisches
Die Tram fährt vom Hauptbahnhof durch das Zentrum nach Kirchberg und weiter zum Flughafen, kostenlos. Das Plateau ist zu Fuß begehbar, und der Kontrast zur mittelalterlichen Stadt zwanzig Minuten entfernt ist genau der Grund hinzufahren.
Eine Verhandlung besuchen
Die Sitzungen des Gerichtshofs sind öffentlich und kostenlos, ohne Anmeldung; ein Ausweis genügt. Der Kalender steht online, und verhandelt wird in mehreren Sprachen mit Simultandolmetschung, sodass man auch ohne Aktenkenntnis folgen kann.