Luxemburg-Stadt existiert auf zwei Ebenen, und der Unterschied zwischen ihnen ist das Interessanteste daran. Oben das Plateau mit Banken, Institutionen und Plätzen; unten in der Schlucht der Grund — ein Viertel aus Steinhäusern, engen Gassen und Flussbrücken, das sich wie ein eigenes Dorf anfühlt.
Hinunter
Man kann über die Treppen neben der Corniche gehen oder den Panoramaaufzug Pfaffenthal nehmen — eine 2016 eröffnete Glaskabine, die einundsiebzig Meter durch den Fels fährt, in einer halben Minute, mit Aussichtsplattform oben. Er ist kostenlos wie alles im Netz und lohnt zwei Fahrten.
Der Grund-Aufzug aus der Oberstadt funktioniert genauso.
Neumünster
Die Abtei Neumünster beherrscht den Grund. 1606 gegründet und nach Bränden neu erbaut, diente sie unter Napoleon als Kaserne, danach anderthalb Jahrhunderte als Gefängnis, auch während der NS-Besatzung, als die Gestapo hier Widerstandskämpfer festhielt. Seit 2004 ist sie ein Kulturzentrum mit Konzerten, Ausstellungen und einem Innenhof für Festivals. Der Weg vom Gefängnis zur öffentlichen Kultur wird drinnen ausdrücklich erklärt.
Am Wasser
Die Alzette durchzieht das Viertel, überspannt von niedrigen Steinbrücken, mit einem Uferweg flussabwärts an der alten Stadtmauer entlang nach Clausen und Pfaffenthal. Es ist der beste Spaziergang der Stadt, etwa eine Stunde.
Clausen, das nächste Talviertel, beherbergte die Mousel-Brauerei und ist heute das Ausgehviertel, eingebaut in die alten Brauereigebäude. Pfaffenthal ist ruhiger und wohnlicher, mit den Vauban-Türmen und einem kleinen Festungsmuseum.
Essen und Trinken
Der Grund versammelt die stimmungsvollsten Lokale der Stadt, in Gewölbekellern und am Wasser. Es ist das Abendziel einer Stadt, die nach Büroschluss sonst ziemlich still wird — Luxemburg lebt stark von Pendlern, und das Zentrum leert sich.
Praktisches
Der Höhenunterschied ist real: Die Unterstadt liegt rund vierzig Meter unter dem Plateau, und der Rückweg zu Fuß am Abend ist ein echter Anstieg. Die Aufzüge fahren lange.
Warum die Stadt so liegt
Die Teilung in Plateau und Schlucht ist kein malerischer Zufall, sondern der Grund für die Existenz des Ortes. Der Felssporn war auf drei Seiten verteidigungsfähig, die Täler lieferten Wasser und Mühlen. Was heute ein Uferspaziergang ist, war acht Jahrhunderte lang die arbeitende Unterseite einer Festung.